Musikland USA 2025- Reisebericht

Nachtleben in New Orleans

New Orleans

Vorwort / Einführung

Unser Mandolinenspieler Christian hat im Oktober 2025 eine musikalische Reise auf den Spuren berühmter Musiklegenden durch eine der wichtigsten Musikregionen der USA (The best Music Cities of the USA) unternommen. Hier sind seine Reiseeindrücke:

„Unsere vierte USA-Reise sollte uns noch einmal über vier Wochen lang in den neuenglischen Nordosten und besonders den musikalischen Südosten der Staaten führen.

New Orleans – Preservation Hall

In New Orleans wohnten wir genialerweise im French Quarter, von wo aus wir die Stadt am Tage und die Musikszene am Abend eroberten. Es ergab sich ein kurzentschlossener Besuch der Preservation Hall, um erstmal traditionellen Ole Time Jazz zu genießen –  im Charme einer gerade ausgeräumten Autowerkstatt der 20er Jahre, aber immerhin auf Holzbänken sitzend (dem Eintrittspreis nach müssen sie mal vergoldet gewesen sein…).

Nachtleben in New Orleans “Night-time in the city of New Orleans…”

Nach einem wirklich leckeren Abendessen auf einem der gusseisernen Balkone erforschten wir die Szenekneipen der Bourbon Street: eine Meile beidseitig Halle an Bar, meistens E-Gitarren und verstärkte Schlagzeuge mit Lautstärken meist über der Belastungsgrenze unserer Hörorgane… Aber dabei auch moderner Soul und Funk-Rock von genialen farbigen Musikern gespielt und gesungen.

Wir fanden beizeiten den Fritzel’s European Jazz Club, wo es Ragtime gab und wo eine wasserstoffblonde Schwedin, Gunhild Carling, im himmelblauen Paillettenkleid, von einer Allstar Band unter Leitung von Kevin Ray Clark begleitet wurde. Unglaublich: wenn sie nicht Posaune spielte, jazzte sie auf Trompete (zuweilen auf dreien gleichzeitig), Blockflöte, Tin Whistle oder steppte, zur größten Freude nicht nur ihrer Kollegen. Wir waren jedenfalls am nächsten Abend wieder dort!

Cajun – Musik

Nach Besuch der Swamps mit Alligatorensafari und des Südstaatenlandsitzes Oak Alley Plantation ging es in die Gegend um Lafayette und Opelousas, es war allerdings enttäuschend: die angebliche Hochburg von Cajun-Musik und Zydeco hatte im September ein paar kleine Konzerte, ansonsten wusste niemand mehr etwas von dieser Tanzmusik.

Memphis – Graceland

In Memphis besuchten wir Graceland. Was ich vorher selbst nicht dachte: Elvis ist zu zeitig gestorben! Jedenfalls haben wir auf seinem Wohnsitz mehr Zeit als geplant verbracht und sämtliche von ihm gesammelten Oldtimer und die berühmten Jumpsuits fotografiert. Er hatte neben Pferden, Pools und Fitnesshalle unter anderem ein hypermodernes Privatstudio. Richtig feiern konnte er auch. Vermutlich hat ihn sein rigoroser Manager Colonel Parker auf dem Gewissen…

Sun Records

Das legendäre Tonstudio von Sun Records besuchten wir natürlich auch, weil hier unter anderen bei Sam Phillips die vier Großen Elvis Presley, Carl Perkins, Jerry Lee Lewis und Johnny Cash ihre ersten Platten einspielten. Klasse Präsentation und lustige Führung! Die Beale Street lebte am Abend auf und war der blanke Blues: sicher waren grandiose Bands dabei, aber wieder von E-Gitarren und Schlagzeugen verursachte Lautstärken erschwerten jeden Genuss. Wir fanden trotzdem, was wir suchten: im Blues City Café wurde herrlicher Rockabilly und Rock’n’Roll gespielt, und das Bier schmeckte.

Tina Turner Museum

Weiter ging es nach Brownsville, wo im West Tennessee Delta Heritage Center ein kleines, aber feines Tina Turner Museum wartete – in ihrem ehemaligen winzigen Schulhaus.

Loretta Lynn

Ein Besuch auf der Dude Ranch von Loretta Lynn war auch im Programm. Ihr Geburtshaus aus Butcher Holler (Hollow) in Kentucky wurde hier nachgebaut, und in ihrem späteren schönen Wohnhaus auf der Ranch in der etwa 60 Quadratmeter großen Küche präsentierte sie auch TV-Kochshows. Wir genossen die Atmosphäre des Hauses dieser Legende der Countrymusik, wo auch Sequenzen von „Coal Miner’s Daughter“ gedreht wurden.

Johnny Cash

Die Hideaway Farm bei Bon Aqua, der Rückzugsort von Johnny Cash, war mir vor der Reise völlig unbekannt. Hier in Ruhe und Abgeschiedenheit schrieb der Meister viele Lieder. Waylon Jennings mit seiner Frau Jessy Colter zählten zu den wenigen Besuchern, die von diesem Ort wussten. Die Ranch erwarben nach seinem Tod Sally und Brian Oxley, die liebevoll dafür sorgen, dass man das Gefühl hat, dass der „Man in Black“ gerade mal auf Tournee ist. Hier steht unter anderem der schwarze Cadillac, von einem Fan zusammengebaut, frei nach dem Song „One Piece At A Time“.

Nashville – Country Music Capital of the World

Dann wartete Nashville auf uns. Die 700.000-Einwohner-Stadt selbst hatten wir uns schöner vorgestellt, aber in der Hall of Fame hätten wir beinahe übernachtet. Bill Monroes Mandoline, Earl Scruggs‘ Banjo, Johnny Cashs Stiefel, Little Jimmy Dickens’ Gürtelschnalle sowie eine Sonderausstellung für Dolly Parton, die an die 3000 Songs geschrieben haben soll!

Broadway

Die Musikmeile, der Broadway, bot wieder den schon bekannten E-Lärm und lud zum Partymachen und exzessiven Trinken ein… Keine Szenekneipen mehr oder Musikclubs mit stilistischer Ausrichtung, die wir übrigens vor 17 Jahren in New York besuchten, aber auch dort dieses Jahr nicht mehr fanden.

Grand Ole Opry

Umso schöner unsere beiden Besuche in der Grand Ole Opry, wo die Konzerte wie früher im Stile einer Samstagabend-Show mit vom Moderator gesprochenen Werbeblöcken und in Begleitung einer Allstar-Band abliefen. Für jeden etwas: von Western – Riders in the Sky bis Bluegrass – The Grascals, von Stars wie Gene Watson, The Bellamy Brothers und The Gatlin Brothers bis hin zum Liedermacher Don Schlitz („When You Say Nothing At All“, „The Gambler“).

Ryman Auditorium

Hier, wo alles mit dem Radiosender WSM begann, war die Opry von 1943 bis 1993 zu Hause, bis die legendäre Show 1994 in den größeren Neubau mit 4400 Sitzplätzen außerhalb des Zentrums umzog. Beim Besuch des alten Ryman, das man Ende des 19. Jh. ursprünglich als Kirche errichtete, wurde uns warm ums Herz: ob der gelungenen denkmalpflegerischen Rekonstruktion und weil hier wieder ambitionierte Konzerte stattfinden. Die Akustik ist unübertroffen und die alten Holzbänke und Balkoneinbauten sorgen für eine unvergleichliche Atmosphäre.

The Station Inn – Bluegrass

Und einer hält die Stellung in einem Flachbau zwischen Wolkenkratzern – Josh Ulbrich mit seinem Club The Station Inn („We are a listening room, not a honky tonk“)! Bluegrass vom Feinsten mit „Route 3“, wo Josh auf seinem wunderbaren Dobro mitspielt, wenn sein ehemaliger Schulfreund mit seiner Band in Nashville ist. Am anderen Abend „Volume 5“, diesmal mit Fiddle, auch klasse!

Johnny Cash Museum Nashville

Das Johnny Cash Museum war fast etwas zu eng, aber hervorragend gegliedert. Allerdings war „Johnny Cash – The Singing Storyteller“ dem Jahr 1970 zugeordnet, obwohl mein Album zu Hause 1969 erschienen ist… Als Besucher konnten wir uns vor einem Green Screen fotografieren lassen und besitzen jetzt ein nahezu authentisches Foto mit uns und dem jungen Johnny Cash!

Nach zwei Tagen in den Smoky Mountains, wo der Indian Summer bald mehr „feuerte“ als im Norden, ließen wir vier unvergessliche Wochen ausklingen.

Fazit

Der Kaffee ist in manchen Gegenden besser geworden, die Straßen viel schlechter, der Bluegrass bleibt allerdings eine der schönsten Musiken aller Zeiten!

Reiseleiterin Ulla     –     Fahrer Christian“

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