Die Mandoline- Bluegrassinstrumente II

Bluegrass-Mandoline Ausschnitt stilisiert

Bluegrass-Mandoline Ausschnitt

Seit den Anfängen der Bluegrassmusik hat die Mandoline einen festen Platz im Emsemble der Instrumente und trägt wesentlich zur Bildung des typischen Bluegrasssounds bei. Im Folgenden werden einige interessante Informationen zur Geschichte und Entwicklung dargestellt.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Die Mandoline ist ein Zupfinstrument. Die Mensur (Abstand zwischen Sattel und Steg) und somit auch den Tonumfang entspricht in etwa einer Violine. Die Mandoline verfügt über 4 Doppelsaiten (g, d‘, a‘, e“). Typisch ist die tropfenförmige Form des Korpus, der aufgrund der Ähnlichkeit zu einer Mandel dem Instrument seinen Namen gab. Meist werden Mandolinen mit einem Plektrum gespielt.

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Bauformen von Mandolinen:

  • klassische / neapolitanische Mandoline
  • Flachmandoline

Die klassische Mandoline wird auch neapolitanische Mandoline genannt und hat starke Ähnlichkeit mit der Mailänder Mandoline. Diese Mandolinen-Art zeichnet sich durch einen Schalenförmigen Korpus und eine flache Decke aus, die abgeknickt ist. Bei der Herstellung werden Holzspäne mit der Fichtenholzdecke verleimt.

Im Gegensatz dazu steht die Flachmandoline, die von der Kastenform her an eine Geige erinnert und mit Zargen ausgestattet ist. Decke und Boden sind normalerweise flach, können aber auch etwas gewölbt sein. Dann spricht man von Archtopmandolinen.

Die Geschichte der Mandoline

Die Mandoline hat ihren Ursprung in der Barock-Musik Anfang des 17. Jahrhunderts. Ab etwa 1669 war das Lauteninstrument in Mitteleuropa weit verbreitet. Später kam sie auch in der klassischen Musik zum Einsatz. Es gibt einige Stücke unter anderem von Mozart und Beethoven in denen Mandolinen einen wichtigen Part einnehmen.

Im Laufe des 20. Jahrhunderts interessierten sich Solisten für das kleine Zupfinstrument und auch in der Volksmusik (Mandolinenorchester) oder Rock- und Popmusik konnte die Mandoline Einfluss nehmen.  Ebenso ist sie aufgrund ihrer handlichen Bauweise im 20. Jahrhundert zum treuen Begleiter für Wanderer und Lagerfeuermusiker geworden (u.a. Wandervogelbewegung im Deutschland der 20er Jahre). Eine Hauptrolle spielt die Mandoline in der Bluegrass-Musik.

Auch in der Pop- und Rock-Musik haben Mandolinen immer mal wieder Gastspiele aufgrund ihres individuellen Klanges als Soloinstrument. Die Band R.E.M. hat die Mandoline für ihr bekanntes Lied „Losing my religion“ verwendet. Bekannte Musiker, die sich an der Mandoline versucht haben sind Mike Oldfield und Steven van Zandt von Bruce Springsteens E-Street-Band.

Verbreitung der Mandoline in den USA

Die Mandoline kam im späten 19. Jahrhundert durch die Einwanderung europäischer Gemeinschaften in die USA. Die Verbreitung der Instrumente wurde befördert durch Firmen wie Gibson, die Mandolinen massentauglich produzierten.

die Mandoline als Instrument fand besonders im ländlichen Süden der USA ihren Platz. Dort wurde sie in der Aufführung traditioneller Mountain- und Folk-Musik integriert.

Entwicklung der Bluegrassmandoline

Ende des 19. Anfang des 20. Jahrhundert wurde die Mandoline in den Vereinigten Staaten aufgrund des nachhaltigen Interesses und der großen Nachfrage maßgeblich von Pionieren wie Orville Gibson und später Lloyd Loar konstruktiv weiterentwickelt. Die deutsche Flachmandoline wurde umfangreich technisch verfeinert, wobei auch die Violine als Vorbild diente.

Unter anderem wurden bei Boden und Decke aufwendig Wölbungen ausgeschnitzt (Archtop), F-löcher als Schallöcher ähnlich der Geige ausgeschnitten und am Korpus bei der F-5 Bauform Verzierungen wie die Schnecke und Zargenerweiterungen angebracht.

Die Einführung der Archtop-Mandoline ermöglichte einen lauteren und durchsetzungsfähigeren Klang. Die technische Verfeinerung hat dazu beigetragen, dass die Mandoline als Solo- und Begleitinstrument in verschiedenen Musikgenres neu belebt und insbesondere im Bluegrass, etabliert wurde.

Bauformen

Die beiden wichtigsten Typen sind der A-Style und der F-Style Form:

A- Style Mandoline:

Diese Version zeichnet sich durch einen traditionellen tropfenförmigen Korpus aus. Der Klang dieser Mandolinen ist in der Regel voll und rund, oft mit einer sanfteren Klangfarbe. Sie werden häufig von Musikern bevorzugt, die mehr Wert auf einen warmen, melodischen Sound legen

F- Style Mandoline:

Die F-Style Mandoline hingegen besitzt ein kunstvoll geschwungenes Aussehen mit

markanten Schnörkeln und F-förmigen Schalllöchern. Diese Bauform wird häufig mit einem helleren, durchdringenderen Klang assoziiert. Die bekanntesten F- Modelle sind die F-4 (traditionelles rundes Schalloch) und die F-5 ( 2 F-Löcher als Schalllöcher, ähnlich der Geige).

Einsatz der Mandoline im Bluegrass

Als Begründer des Bluegrass in den 30er Jahren des vorigen Jahrhundert und Pionier der Mandolinentechnik revolutionierte Bill Monroe mit seiner innovativen Spielweise das Genre der bisherigen Folk-und Mountainmusik.

Er integrierte rhythmische Akzente, Improvisationen und innovative Chording-Techniken, die maßgeblich zur Entstehung des Bluegrass-Sounds beitrugen.

Bill Monroe machte die von ihm genutzte, sogenannte F-5 Bauform populär. Das führte dazu, dass die F-5 zum Synonym für die Bluegrassmandoline wurde. Deshalb wird diese Bauform in Europa und insbesondere in Deutschland auch als Bluegrassmandoline bezeichnet. Heute benutzen die meisten Bluegrassbands diese Bauform.

Weitere maßgebende Mandolinenspieler sind:

Ein Grammy-prämierter Musiker, der sowohl in der Country- als auch in der Bluegrass-
Musik große Erfolge feierte. Er verbindet traditionelle Techniken mit modernen Ansätzen.

Ricky Scaggs

Als Schöpfer des „Dawg Music“-Stils vermischte er Bluegrass mit Jazz, Folk und traditionellen europäischen Klängen.

David Grisman

Ein führender Vertreter des Progressive Bluegrass (auch „Newgrass“ genannt), der das Instrument in experimentellere musikalische Gefilde führte und zahlreiche junge Mandolinisten inspirierte.

Sam Bush

Ein mehrfach mit Grammy Awards ausgezeichneter Musiker.

Thile hat durch seine virtuose Technik und moderne Interpretation des Instruments das Genre weiter modernisiert.

Chris Thiele

Rolle der Mandoline in der Bluegrassmusik

Begleit-und Rhythmusinstrument:

da im Bluegrass kein Schlagzeug verwendet wird, müssen die Instrumente diese Rolle übernehmen. Durch den abgedämpften Rückschlag über alle Saiten, genannt „Chop“, erzeugt die Mandoline einen perkussiven Klang für einen treibenden, rhythmischen Puls der Band.

Soloinstrument:

Neben dem prägnanten „Chop“ übernimmt die Mandoline in Bluegrass-Bands auch wichtige Solo-, Fill- und Backup-Aufgaben durch improvisierte Licks und Fillins mit Hilfe solcher Techniken wie Tremolo, Doublestops (zweistimmiges Spiel) oder Crosspicking (schneller Wechselanschlag über mehrere Saiten).

Zusammenfassung

Die Entwicklung der Mandoline verdeutlicht, wie technologische Innovationen und

künstlerische Einflüsse zusammenwirken, um ein Instrument von kultureller und

musikalischer Relevanz zu formen.

Durch die enge Verknüpfung historischer Entwicklungen, technischer Innovationen und

kreativer Spielweisen ist die Bluegrassmandoline zu einem Symbol für die dynamische Natur

der amerikanischen Musiktradition geworden. Die Mandoline hat gegenwärtig ihre wichtigste Heimat in der amerikanischen Bluegrass- und Folkmusik gefunden.

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